Für die Wartezeit ein Bericht vom RPC 2012

Es sind noch 8 1/2 Wochen bis es wieder heißt Abfahrt nach Biograd zum RPC14! Um die Wartezeit etwas zu versüßen hier ein noch nicht veröffentlichter Bericht vom RPC 12 von Berndt Schweiger....

 

Round Palagruza - Cannonball 2012

 

Eine der härtesten Segelregatten Österreichs

 

Ostern ist und die meisten verbringen diese Feiertage zu Hause bei der Familie mit Osternester suchen und Eierpecken, oder nützen noch den letzten Schnee zum Saisonausklang auf der Piste. Nicht so, ein paar verrückte „Segelnarrische“, die es gar nicht erwarten können, dass, wie jedes Jahr zu dieser Zeit, die Hatz um den einsamen Felsen, mitten in der Adria, beginnt und das oft genug bei Regen und Sturm.

Seit 2008 gibt es diese Segelregatta und sie zählt mit ca. 380 sm (700 km) zu den längsten Österreichs. In Seglerkreisen sagt man, sie sei die härteste Regatta Österreichs, denn sie dauert von Montag 12:00 Uhr bis Freitag 12:00 Uhr.

 

Ohne Unterbrechung, Tag und Nacht der Natur ausgeliefert, auf einer 47-Fuß-Yacht, gemeinsam mit 8 Gleichgesinnten, gegen ca. 27 andere Crews mit gleichen Booten (10 Bavaria 47C und 20 Bavaria 42 match) wird um jede Meile und Sekunde gekämpft.

Wenn man vorne dabei sein will, muss man bereit sein, an seine Grenzen zu gehen. Müdigkeit, Nässe, Kälte, Sturm, aber auch Hitze und Flaute begleiten dich Tag und Nacht. Im Gegensatz dazu aber auch wunderschöne Sonnenaufgänge und -untergänge, vom Mond erleuchtetes Plankton, Wind der uns vorwärts treibt, um das Boot gleitende Delfine, all das lässt uns einen Hauch Freiheit spüren.

Nach 5 Tagen Vorbereitung und Training ist es soweit, Montag, 9.4.2012, 12:00 Start. Wir, das sail4one-racing-Team, erwischen einen sehr guten Start, auch wenn uns der wenige Wind nur sehr langsam über die Startlinie zieht. Gegen den Wind, hinauf Richtung Zadar, heißt es aufkreuzen. Der Wind wird stärker und das Boot pflügt sich im Zadarskikanal durch die Wellen. Herrliches Segeln bei Sonnenschein und steuerbordseitig leuchtet schneeglänzend das Velebitgebirge. Wir nutzen alle Winddreher, Strömungen, etc.  bestmöglich aus und liegen bei der Durchfahrt zwischen Dugi Otok und Molat am 5. Gesamtrang und sind Erster in unserer Klasse. Der Spinnaker wird gesetzt, und hinaus geht's, mit voller Fahrt aufs offene Meer nach Süden Richtung Vis. Die erste Nacht bricht herein und die Nachtwache beginnt. Vier Stunden hat die Freiwache Zeit sich auszuruhen, dann wird gewechselt. Zwei Teams wechseln sich im 4-Stunden-Rhythmus bei Nacht und 6-Stunden-Rhythmus am Tag ab.

04:00 Uhr früh, meine Wache beginnt, ich setze mich wieder hinters Steuer und erlöse meinen müden Skipper von der Hundswache. Wir segeln in den Sonnenaufgang hinein und sehen Vis schon vor uns. Leider wird der Wind immer weniger und wieder einmal sitzen wir bei Vis in der Flaute so richtig fest. Ohne Wind wird’s richtig heiß an Bord, ein krasser Gegensatz zur Nacht, in der es ohne Haube und Handschuhe kein Auskommen gab. Ist man zwischen Vis und Bisevo durch, schlägt man schon den Kurs nach Palagruza ein. Jeder noch so kleine Windhauch wir genutzt um vorwärts zu kommen. Am Nachmittag endlich legt der Wind zu. Die Vorhersagen für die Nacht, die unser Taktiker Wolfgang hereinbekommt, lassen nichts Gutes erhoffen – Sturm aus Südost wird ab 22:00 Uhr gemeldet, es sind also 40-50 kn Wind angesagt. Na da müssen wir uns anschnallen. Wie vorhergesagt wird der Wind immer stärker, je näher wir dem Leuchtturmfelsen kommen. Ein schöner Felsbrocken, mitten in der Adria, den es zu umrunden gilt. Die Flaute hat es uns wieder einmal vermiest, ihn noch bei Sonnenlicht zu erreichen und so sehen wir wiederrum nur einen Schatten, auf dessen Spitze uns das Leuchtfeuer den Weg weist. Alle an Deck haben bereits die Schwimmwesten an und sind angehängt. Die Wellenberge legen an Höhe zu und der Wind orgelt in den Stahlseilen der Yacht. Wir reffen früher als die Anderen unsere Segel. Durch diese Verkleinerung der Segelfläche, segelt das Boot aufrechter und ist schneller, als mit voller Wäsche. Ich am Steuer darf noch den Felsen runden und den Kurs an die Südspitze nach Mlet einschlagen. Wir haben einige Plätze verloren und haben 12 Yachten vor uns. Die Aufholjagd beginnt, doch das ist Aufgabe der anderen Wache. Ich bereite für alle noch das Abendessen zu: Beef Stroganov – gefriergetrocknete Expeditionsnahrung. Kochendes Wasser in das Sackerl leeren, 10 min quellen lassen, fertig. Schmeckt ausgezeichnet! Dennoch, kein leichtes Unterfangen unter Deck, bei diesen Bedingungen. Ich überlege schon mich am Herd festzubinden. Müde haue ich mich in meine Koje und schlafe wie ein Stein bis kurz vor 04:00 Uhr.

 

Der Wind war in der Nacht doch nicht so stark, wie vorhergesagt, aber dennoch zwischen 30 und 40 kn mit Wellen an die 3 Meter. Ein wilder Ritt durch die Nacht. Sensationell wie viele Gegner wir schon überholt haben. Ich hatte nun die Aufgabe den Vorsprung auszubauen und die drei, noch vor uns sichtbaren Yachten, einzuholen. Die Insel Mlet lag schon klar vor uns im Morgenlicht und das Boot stampfte durch die Wellenberge. Wir rundeten das Kap Debeli an der Südspitze von Mlet und ab da ging‘s wieder zurück hinauf Richtung Biograd. Die halbe Strecke lag noch vor uns. Nun begann unser Surf Richtung Vis, zuerst raumschots (Wind von schräg hinten) und dann mit ausgebaumter Genua (vorderes Segel) vor dem Wind. Das bescherte uns mehrere tolle Surfs auf den Wellenkämmen mit Rekordspeed von 17 kn. Allerdings auch sehr schwer zu steuern und ein paar Mal legten wir das Boot auf die Seite. Doch angehängt an Deck und mit der richtigen Crew, ist es kein Problem die Yacht wieder aufzustellen. Im Eiltempo vorbei an Korcula und Hvar sicherten wir unseren Platz ab. Nur wenige Yachten liefen unseren schnellen Kurs und somit waren wir vorne dabei. Doch an welcher Stelle genau wussten wir nicht, da bei einigen Yachten das Tracking ausgefallen war. Die dritte Nacht brach herein, wieder sehr kalt bei ca. 8°C. Seit der Flaute hatte keiner mehr das Ölzeug und die Stiefel ausgezogen. Zwecks Bereitschaft aufgrund der Bedingungen, schliefen wir voll angezogen inkl. Schwimmweste. Das tat der guten Stimmung an Bord aber keinen Abbruch, für uns war das normal und noch dazu bei unserer Position, so zwischen Platz 3 und 6. Wir hatten also immer noch Chancen auf unser Ziel, einen Pokal zu holen.

 

Der Wind wurde in der Nacht immer weniger und so entschloss sich unser Skipper, Christian, außen an Zirje vorbeizufahren und nicht innen, wie einige Gegner von uns. Dies war eine taktische Meisterleistung, denn als in den frühen Morgenstunden der Wind drehte, bekamen wir als Erster den Wind in die Segel und überholten, wie wir später erfuhren, den Viertplatzierten, der zuerst schon 15 Meilen vor uns lag.

 

Während ich schlief ging ein Gewitter über uns nieder, mit Starkregen, dass keiner, der an Deck Gebliebenen, trocken blieb. Daher lösten Christian und ich die total durchnässte Wache schon früher ab und steuerten bei wenig Wind das Boot, an Zirje vorbei, durch die Nacht.

Das Ziel lag schon sehr nahe und so gab ich das Steuer nicht mehr ab. An Müdigkeit war nicht zu denken, denn die Spannung war sehr groß! Wir sahen 2 Boote vor uns, hinter uns noch keine, auf welchem Rang waren wir wirklich? Angespannt suchten wir nach Windflecken am Wasser die uns Richtung Ziel bringen. Den beiden vor uns liegenden Booten, die so richtig fest saßen, kamen wir immer näher. Im Licht der Sonne tauchten nun auch hinter uns Yachten auf, die schnell näher zu kommen schienen. „Alle Mann an Bord!“. Der Zielsprint hatte begonnen. Die Segel wurden aus der Hand gefahren und ich bewegte das Ruder nur millimeterweise um ja nicht zu bremsen. Die beiden Boote vor uns hatten wir nun überholt, aber eine 42er match, nicht unsere Klasse, hatte von hinten her noch Schwung und schlich 100 Meter vor dem Ziel noch an uns vorbei. Ja, wir hatten nun schon 420 Meilen hinter uns, aber es kam auf jede Sekunde an, die man herausholte, oder auch verlor. Überglücklich, auf gutem Platz durchs Ziel gekommen zu sein, holten wir die Segel ein. Während der ganzen Regatta herrschte auf unserem Boot Alkoholverbot, nur für den Zieleinlauf hatten wir uns für jeden ein Bier reserviert. Dieses genossen wir noch vor dem Einlaufen in die Marina. Viele Boote waren noch nicht da, doch drei mit gleich hohem Mast und zwei mit etwas Kürzerem, also waren schon 47er-Yachten im Ziel. Kein Pokal, aber 4. Rang ist auch gut, dachten wir. Als wir durch die Marina Einfahrt fuhren, machten uns die Mannschaften, der schon ins Ziel gekommen Boote, die Welle – ein schönes Gefühl. Doch jetzt kommt‘s: Eine der drei vermeintlichen 47er war gar keine und die Crew der zweiten 47er bestätigte uns unseren 3. Platz. Da war die Freude erst so richtig groß!

 

Wir ließen unseren Emotionen freien Lauf und es fiel mir schwer mich beim Anlegen an den Steg noch zu konzentrieren. Es war ein echtes Wellental der Gefühle. Unser Traum ging in Erfüllung – ein Pokal.

 

 

 

Berndt Schweiger, www.sail4one-racing

 

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