Tour des Ports de la Manche 2017

(Tour der Häfen der Normandie)

Die Normandie ist kalt, nass, windig und die Einheimischen sprechen nur französisch…Wer das denkt war wohl noch nicht dort. Letztes Jahr könnte eine Ausnahme gewesen sein, doch heuer war die Normandie - Sailors Paradise! Sommerliches Wetter bei angenehmen 20°-25°C, traumhafte Winde, atemberaubende Küsten und Inseln, die besten Austern der Welt - Kulinarik par excellence und mittendrin statt nur dabei - Das Team der Godspeed rund um Skipper Philipp Stampfl. Die X-41 „Godspeed“ ist diesen Sommer für das Rolex Fastnet Race in Südengland stationiert, weswegen neben der eigentlichen Regatta in der Normandie auch noch zweimaliges Channel-Crossing am Programm stand.

Beim Übersteller von Hamble (GB) nach Granville in der Normandie, plante das Team der Godspeed einen kurzen Zwischenstopp auf der Kanalinsel Jersey ein, um sich mit einem English Breakfast zu stärken als auch auf die Flut in Granville zu warten. Eine Yacht aus Österreich hat man auf Jersey wohl schon lange nicht mehr gesehen, denn das Computersystem im Hafenamt kannte noch kein „Austria“ und den Homeport „Vienna“ schon gar nicht. Auch die Frage, ob die Godspeed direkt aus Wien nach Jersey gesegelt sei, wurde mit einem Schmunzeln verneint. Am Tag bevor die Tour des Ports de la Manche in Granville eröffnet wurde, hatte das Team der Godspeed bereits ein DNC (Did not compete) zu verkraften. Godspeed Coach David Höllinger lag mit eitrigem Weisheitszahn und Fieber flach und musste seinen Flug nach Frankreich leider canceln. Da Peter Steinkogler berufsbedingt leider nicht teilnehmen konnte, sein Ersatzmann spontan absagte und “Zahnfleischbluter-David” leider krankheitsbedingt ausfiel, war die Godspeed nun ein wenig unterbesetzt. Diese Nachricht erreichte via Facebook auch Sail4one Segler und Freund des Godspeed-Teams, Bernd Nawrata. Nach einem kurzen Telefonat machte dieser, dank der Ermutigung und Unterstützung seiner Frau Sonja, Nägel mit Köpfen. Social Media works!

Zwei Stunden nach dem Facebookbeitrag erreichte das Godspeed-Team, in der Hafenbar von Granville, eine Whatsappnachricht mit „Verstärkung naht!“ und einer Buchungsbestätigung für Dienstagabend für einen Flug nach Jersey, das Etappenziel an diesem Tag. Bei der zweiten Etappe nach Guernsey fuhr “Charming-Charlotte” - eine Reporterin der Veranstalter -  bei den Österreichern mit, um einen Bericht über dieses exotische Team zu schreiben. Es war eine große Ehre für die Crew der Godspeed, als charming Charlotte an einem weiteren sehr windigen Tag noch einmal Gast auf der X-41 sein wollte, da sie sich bei den „les Autrichiens“ sehr sicher fühlte.

Die Regatta an sich war geprägt von perfekten Winden zwischen 10 und 25 Knoten, Sonnenschein und sehr starker französischer bzw. britischer Konkurrenz. So befand sich zum Beispiel Christophe Auguin, der 1996/97 die Vendée Globe gewann, unter den Teilnehmern. Ein spielerisches Highlight dieser Woche war der Wildwasserritt durch den Alderney Race. Die Luken dicht und gut festhalten! Mit unglaublichen 16,7 Knoten Speed over Ground auf Amwindkurs wurde die Godspeed durch die stehenden Wellen (sog. Overfalls) vor dem Cap de la Hague geschoben. “Es ist eine Mischung aus Segeln und Rodeo!”, freute sich Co-Skipper Johannes Hamminger und auch die restliche Crew brach bei diesem Schleuderwaschgang in schallendes Gelächter aus. Neben den Segelerlebnissen kam natürlich auch die Kulinarik nicht zu kurz. Neben der Verpflegung für die Crew, gesponsert von einem lokalen Supermarkt namens “Utile”, kam das Team nie hungrig zurück aufs Schiff. Die weltberühmten Austern aus Saint-Vaast-la-Hougue, französischer Wein und Käse, fangfrischer Fisch oder ein saftiges Steak bedeutete mitunter die Qual der Wahl zu haben. “Tolle Veranstaltung, viel Anspruchsvoller als in Kroatien und wo gibt es schon Austern zum Frühstück?“, resümierte Bernd Nawrata am Tag nach der Siegerehrung.

Die Proviantierung für das zweite Channel-Crossing zurück in den Solent, wurde noch schnell am Wochenmarkt erledigt und so servierte Schiffskoch Walli, pünktlich nach Erreichen der Needles (Isle of Wight), französisches Blunzengröstl österreichischer Art mit einem Pint Rotwein.

Fazit dieses 10-tägigen Törns: Spannendes Segeln in einem navigatorisch anspruchsvollen Gezeitenrevier mit bis zu 13 Meter Tide und 9 Knoten Strömung. Die Tour des Ports de la Manche war perfekt organisiert und mit über 100 Booten gut besucht. Ausschreibungen und alle wichtigen Bekanntmachungen waren sowohl in Französisch als auch in Englisch vorhanden. Bei einem Nenngeld von nur 60 € gab es in jedem Hafen nach den Wettfahrten die Tages-Siegerehrung, etwas zu Essen und Livemusik.

Die Crew der Godspeed:

Andreas Wallentich (Spi 1, Grinder, Chef)

Bernd Nawrata (Main, Spi 2, Grinder)

Bernhard Marchsteiner (Bow, Grinder, Mechanic)

Jacques Haebig (Navigation, Interpreter)

Johannes Hamminger (Co-skip, Helm, Main)

Patrick Haebig (Pit, Grinder, Interpreter)

Philipp Stampfl (Skipper, Helm, Tactics).